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Reifenwissen

Reifendimension

Die technische Ausführung der Bereifung ist durch den § 36 StVZO festgelegt. Danach sind PKW-Reifen entsprechend der europäischen Vorschrift ECE-R 30 genormt. Dies gilt insbesondere für die Beschriftung der Reifenflanke — sie gibt Auskunft über die wichtigsten Daten des Reifens. Innerhalb dieser Information sind die für den Autofahrer wichtigen Angaben zusammengestellt. Darüber hinaus verlangt die Norm weitere Bezeichnungen auf der Seite, wie z. B. Herstellername und Reifentyp.

Kennungen und Maßeinheiten

Reifenbreite

Sie wird in Millimetern angegeben (z. B. 175 mm). Bei herkömmlichen PKW-Reifen reichen die Querschnittsbreiten von nominell 125 mm (z. B. 125/80 R 12) bis ca. 335 mm (z. B. 335/30 R 19). Die Breiten steigen dabei in 10-mm-Schritten.

Besondere Reifen für neue Rad-Reifen-Systeme (z. B. TD-Reifen von Dunlop oder TRX- oder TDX-Reifen von Michelin) haben andere Breitenmaße in Millimetern. Die Breiten reichen von 160 mm bis 240 mm. Die tatsächliche Breite weicht, bedingt durch die üblichen Fertigungstoleranzen, meist von den nominellen Angaben geringfügig ab und variiert von Hersteller zu Hersteller um wenige Millimeter. Außerdem ist sie abhängig von der Breite der Felge, auf welcher der Reifen montiert ist.

Die Normung der Reifen erlaubt es, die meisten Reifen auf Felgen verschiedener Breiten zu montieren. Diese Breitenunterschiede können Ursache dafür sein, dass auf bestimmten Fahrzeugen nur Reifen bestimmter Hersteller (Markenbindung) oder lediglich in Kombination mit bestimmten Felgen montiert werden dürfen, da in diesen Fällen ausschließlich diese Reifen in allen Betriebszuständen mit Sicherheit (also auch beim Einfedern oder beim Lenkeinschlag) «freigängig» sind. Auch die Verwendbarkeit von Schneeketten kann an bestimmte Reifenfabrikate und Felgenbreiten gebunden sein. Zu beachten sind hier die Hinweise in Fahrzeug-Papieren und Bedienungsanleitung.

Höhen-Breiten-Verhältnis/Serie …/50, /60, /70, /80

Hier geht es um das Verhältnis von Höhe zu Breite des Reifenquerschnittes in Prozent. Ein /50 bedeutet dann, dass die Reifenhöhe halb so groß ist wie die Reifenbreite. Mit «fallenden» Verhältnis-Zahlen wird die Reifenflanke immer niedriger — übliches Erscheinungsbild sportlicher PKW (225/45…). Sonderfall: Bei Reifen der 80er-und /82er-Serie war früher die «…/80» in der Bezeichnung nicht üblich — dementsprechend kann in älteren Fahrzeugpapieren noch «155 R 13» stehen. Dies entspricht nunmehr beim Reifenkauf «155/80 R 13».

Reifenbauart

«R» steht hier für «Radial» (zusätzlich auch häufig ausgeschrieben). Es handelt sich um die heute übliche Bauart mit radial angeordneten Karkassfäden. Bis in die 60-iger Jahre war der Diagonalreifen Standard. Sofern heute noch für Spezialfälle (z. B. Oldtimer) produziert, steht anstelle des R ein D oder auch ein —.

Es dürfen grundsätzlich nur Reifen einer Bauart montiert werden. Mischbereifung (Diagonal- und Radialreifen auf einem Fahrzeug) ist laut StVZO § 36 nicht zulässig.

Felgendurchmesser

Der Felgendurchmesser wird diagonal von Felgenrand zu Felgenrand ermittelt, das Maß wird meist in Zoll (‘‘) angegeben. Die gängigsten Maße reichen von 10 bis 20 ‘‘. Bei TD-Reifen von Dunlop sowie TRX-, TDX-Reifen oder dem PAX-System von Michelin werden die Felgendurchmesser in Millimeter angegeben. Die gängigsten Durchmesser gehen von 315 mm bis 440 mm.

Tragfähigkeitskennziffer (LI — Load Index oder Lastindex)

LI ist die Kennzahl für die Belastbarkeit des Reifens. Jedem LI-Wert wird, dargestellt in einer genormten Tabelle, eine bestimmte Belastbarkeit des Reifens bei einem vorgegebenen Luftdruck zugeordnet. Zum Beispiel 85 ist gleich 515 kg. Die montierten Reifen müssen mindestens dem in den Fahrzeugpapieren angegebenen LI entsprechen, höhere Werte des LI sind zulässig.

Zusatzangabe «Reinforced»: (12) ist die Bezeichnung an Reifen besonders hoher Tragfähigkeit (für Kleintransporter, Kleinbusse, Vans, Geländewagen usw.). Ausschlaggebend ist aber auch hier die (entsprechend hohe) LI-Kennziffer.

Der Lastindex des montierten Reifens darf größer, als die entsprechende Eintragung in den Fahrzeugpapieren sein. Beispiel: Fahrzeug-Schein 165/65 R 13 76 T, Reifenaufschrift: 165/65 R 13 77 T.

80 — 450 kg/Reifen
81 — 462 kg/Reifen
82 — 475 kg/Reifen
83 — 487 kg/Reifen
84 — 500 kg/Reifen
85 — 515 kg/Reifen
86 — 530 kg/Reifen
87 — 545 kg/Reifen
88 — 560 kg/Reifen
89 — 580 kg/Reifen
90 — 600 kg/Reifen
91 — 615 kg/Reifen
92 — 630 kg/Reifen
93 — 650 kg/Reifen
94 — 670 kg/Reifen
95 — 690 kg/Reifen
96 — 710 kg/Reifen
97 — 730 kg/Reifen
98 — 750 kg/Reifen
99 — 775 kg/Reifen
100 — 800 kg/Reifen
101 — 825 kg/Reifen
102 — 850 kg/Reifen
103 — 875 kg/Reifen
104 — 900 kg/Reifen
105 — 925 kg/Reifen
106 — 950 kg/Reifen
107 — 975 kg/Reifen
108 — 1000 kg/Reifen
109 — 1030 kg/Reifen
110 — 1060 kg/Reifen
111 — 1090 kg/Reifen
112 — 1120 kg/Reifen
113 — 1150 kg/Reifen
114 — 1180 kg/Reifen
115 — 1215 kg/Reifen
116 — 1250 kg/Reifen
117 — 1285 kg/Reifen
118 — 1320 kg/Reifen
119 — 1360 kg/Reifen

GSY — Geschwindigkeitssymbol

GSY ist ein Kennbuchstabe, der die höchste zugelassene Geschwindigkeit für dieses Reifen angibt. Den Buchstaben sind folgende Geschwindigkeitskategorien zugeordnet (hier sind die üblichen GSY für PKW dargestellt):

M — 130 km/h
N — 140 km/h
P — 150 km/h
Q — 160 km/h
R — 170 km/h
S — 180 km/h
T — 190 km/h
U — 200 km/h
H — 210 km/h
V — 240 km/h
W — 270 km/h
Y — 300 km/h

Laufrichtungsbindung

Überwiegend an Reifen mit besonderer Profilgestaltung sind auf der Reifenflanke Bezeichnungen wie Rotation, Drehrichtung, Direction, in Kombination mit einem Laufrichtungspfeil eingeprägt. Bei der Reifenmontage ist diese vorgegebene Lauf- oder Drehrichtung zu beachten.

Tubeless (Schlauchlos)

PKW-Reifen sind üblicherweise Schlauchlos-Typen. Das Einziehen eines Schlauches ist nicht nur überflüssig, es ist — von wenige Ausnahmen abgesehen — nicht zulässig. Im Zweifelsfall den Reifenhersteller befragen. Bei einer Reifenpanne mit Luftverlust darf das allenfalls als zeitweiliger Notbehelf gelten.

Produktionsdatum

Bisheriges Verschlüsselungs-System: Die letzten 3 Ziffern der sog. «DOT»-Nummer geben das Herstellungsdatum wieder. Die ersten beiden Stellen nennen die Produktionswoche, die letzte Ziffer ist die Endzahl des Jahres. Beispiel: 409=40.Woche 1999. Dass wir es mit den 90-iger Jahren zu tun haben, wird i.a. noch durch ein kleines Dreieck (rechts neben der 3-stelligen Zahl) deutlich gemacht.

Neue Kennzeichnung ab 1.1.2000 — 4-stellige Schlüsselnummer: 0100 = 1. Woche 2000.

Verschleißanzeiger (TWI — Tread Wear Indicator)

Rundum auf der Reifenseite ist mehrmals das Kürzel TWI (auch andere Zeichen möglich) eingeprägt. Wenn man dem Pfeil folgt, so erkennt man, dass in diesem Bereich das Profil nicht völlig in die Tiefe geht. Der Grund: Bei einem bis auf (die gesetzlich zulässigen) 1,6 mm abgefahrenen Profil liegen diese Stellen dann deutlich erkennbar an der Oberfläche, die Verschleißgrenze ist erreicht. Soweit sollte man es nicht kommen lassen, denn die Versuche zeigen, dass bereits unter ca. 3 mm die Haftung, insbesondere bei Nässe, deutlich abnimmt!

M&S (Winterreifen und Ganzjahresreifen)

Winterreifen sind mit M&S, M+S oder ähnlichen Abkürzungen gekennzeichnet. Hiermit ist nicht nur erkennbar, dass es sich um einen Reifentyp für die speziellen Anforderungen des Winterbetriebs handelt. Damit ist auch eine Ausnahmeregelung bezüglich der geforderten Geschwindigkeitsklasse verbunden.

Sonderregelungen in einigen europäischen Ländern

Ist Winterausrüstung laut Beschilderung vorgeschrieben, dann erfordert dies Reifen mit M&S-Symbol. Insbesondere in Österreich wird darüber hinaus eine Profiltiefe von mindestens 4 mm gefordert — mit weniger Profil gelten derartige Exemplare schlichtweg als Sommerreifen. In Deutschland existiert diese Vorschrift zwar nicht, unterhalb ca. 4 mm ist eine Wintertauglichkeit aber tatsächlich sehr eingeschränkt.

Zeichenerklärungen bei Reifen

Reifen sind zum Teil mit Kennzeichnungen versehen, wie z. B.:

Notlaufreifen

Die Notlaufreifen können mit DSST, EMT, RFT, RunOnFlat oder SSR (Self Supporting Runflat) gekennzeichnet werden.

Prüfzeichen E

Das ECE-Prüfzeichen wird als E oder e dargestellt, es bestätigt die Einhaltung der europäischen Norm (ECE- R 30). Bild 6: Die anhängende Zahl 12 weist auf Österreich als Prüfungsland hin.

Wichtig: Seit dem Produktionsdatum 1.10.98 (40. Woche 98, entspricht DOT-Nummer 408) ist diese Kennzeichnung der Reifenflanke in Europa pflichtig. An einem Fahrzeug dürfen demzufolge keine Reifen montiert sein, die, sofern nach dem 1.10.98 produziert, dieses Prüfzeichen nicht aufweisen. Im Rahmen der Hauptuntersuchung (TÜV) würde das als schwerer Mangel am Fahrzeug eingestuft.

Runderneuerte Reifen

Sie tragen als Kennzeichnung R, runderneuert, retread oder retreaded. Das Datum der Runderneuerung wird in gleicher Weise wie das Herstellungsdatum von Neureifen angegeben.

Welche Abweichungen zwischen Fahrzeugschein und Reifen sind erlaubt?

Abweichend von dem Grundsatz, dass die Bezeichnungen in den Fahrzeugpapieren und am Reifen übereinstimmen müssen, gelten folgende Ausnahmen:

Geschwindigkeitssymbol

Er darf höherwertiger, als die entsprechenden Eintragungen in den Papieren, sein. Beispiel: Fahrzeug-Schein 185/65 R 14 86 H, zulässig sind Reifen mit Aufschrift: 185/65 R 14 86 V.

Bei Winterreifen und Ganzjahresreifen darf der Geschwindigkeitsindex für niedrigere Höchstgeschwindigkeiten gelten, als in den Fahrzeug-Papieren für Sommerreifen eingetragen. In diesen Fällen muss ein Aufkleber mit der für den M+S-Reifen zulässigen Höchstgeschwindigkeit im Sichtfeld des Fahrers angebracht werden. Beispiel: Fahrzeug-Schein 195/65 R 14 89 H (Sommerreifen), zulässig sind auch Reifen mit Aufschrift: 195/65 R 14 89 Q M+S. In diesem Fall ist aber auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeuges durch die des Reifens entsprechend begrenzt und unbedingt einzuhalten.

P-Reifen

Es ist die amerikanische Klassifizierung, Kennzeichen wie z. B. P 225/60 R 15… Die P-Reifen dürfen verwendet werden, wenn sie entsprechend der ECE-R30 gekennzeichnet sind, d.h. ihre Betriebskennung muss der in diesem Informationsblatt dargestellten Form entsprechen. Weicht die Kennzeichnung von der ECE-R 30 ab (z. B. kein Load-Index, kein Speed-Index), so muss der Reifenhersteller schriftlich die Übereinstimmung dieser Reifen mit entsprechenden Anforderungen der ECE-Norm bestätigen. Diese Bestätigung hat der Fahrer immer mitzuführen. Sind in den Papieren (insbesondere von US-Modellen) P-Reifen eingetragen, so dürfen auch nach ECE-R 30 geprüfte Reifen verwendet werden, wenn mit Ausnahme des fehlenden Buchstabens P die Kennzeichnung auf dem Reifen mit Eintrag in den Fahrzeug-Papieren übereinstimmt.

ZR-Reifen und VR-Reifen

VR-Reifen (>210 km/h) und ZR-Reifen (>240 km/h) sind Hochgeschwindigkeitsreifen älterer Fahrzeuge, die in den meisten Fällen nicht mehr hergestellt werden). Der VR- und ZR-Index entsprechen keiner aktuellen Norm. Wenn bei Ihrem Fahrzeug solche Reifen gefordert sind, werden wir für Sie heraussuchen, welche Reifen nach den aktuellen Index-Symbolen Sie ersatzweise fahren dürfen.

Die Kennzeichung ZR bedeutet, dass es ein verstärkter Reifen für Geschwindigkeiten über 240 Km/h ist. Es bezeichnet die Geschwindigkeitsindexe V (240km/h>), W (270km/h>), Y (300km/h>) und ist nicht immer auf der Reifen angegeben.

Sofern diese in den Papieren älterer Fahrzeuge noch eingetragen sind, dürfen gleichgroße W-Reifen (bis 270 km/h) mit ausreichender Tragfähigkeit verwendet werden, wenn die Fahrzeug-Höchstgeschwindigkeit 260 km/h (lt. Fahrzeugschein Ziffer 6) nicht überschritten wird und keine weitere Typen- oder Fabrikat-Bindungen (Ziffer 33) eingetragen sind. In Zweifelsfällen sollten Fahrzeug- bzw. Reifenhersteller befragt werden.

Sprechen Sie uns an — wir beraten Sie gerne!